Samstag, 24. Dezember 2016

Unser Gewinnermärchen <3

Unser Gewinnermärchen der Blogtour zu Rottkäppchen und der Hipsterwolf ❤


Viel Freude damit und eine besinnliche Weihnachtszeit meine Lieben(:



Die Geschichte der bösen Hexe

Es war einmal … so fangen Geschichten an. Märchen nennt man sie. Ich bin eine Hexe, die böse Hexe und das ist mein Märchen. 

Der Wald verzauberte mich von Kindesbeinen an. Wie bin ich zwischen seinen Bäumen umhergerannt und war meinen Freunden dicht auf den Fersen. Mit ihren vier Beinen waren sie immer schneller als ich, doch das störte mich nie und ich genoss den Spaß mit all den Tieren des Waldes, die ich meine Freunde nannte. Denn ihr müsst wissen, seltene Geschöpfe bewohnten unsere Gegend. Von Rentieren bis zu den wunderschönsten Phönixen bewohnte alles unseren Wald und ich erkundete ihn jeden Tag aufs Neue. Bis ich einmal zu weit hinein ging …

An diesem einen Tag ging ich weiter als ich bisher immer tat. Zwischen den Bäumen wurde es immer dunkler, doch mein Übermut trieb mich voran, immer tiefer und tiefer in den Wald hinein. Raben krächzten und warnten mich: „Kleines Mädchen geh weg von dort. Verderben erwartet dich an diesem Ort.“ Was schelte meine Stiefmutter mich immer für meine Neugierde … In diesem Moment hätte ich es gern selbst getan, denn ich ging weiter bis ich wage in der Dunkelheit des Waldes, der plötzlich all seinen Zauber verloren zu haben schien, eine Schlossruine erkannte.

Burgen und Schlösser gab es zu unserer Zeit zahlreiche. Prunkvoll und geschmückt zu täglichen Festen, die die Menschen nur so berauschten. So sagten sie zumindest, denn selbst habe ich noch nie eins besucht, um dies selbst zu erleben. Ich erträumte mir die schönsten Kleider und Prinzenals Begleitung und doch blieb es immer nur ein Traum.

Schwarze Schatten schienen das verfallene Gebäude zu beherrschen und schienen nun auf mich zu lauern. Zögerlich setzte ich einen Fuß vor den anderen und näherte mich. Was wohl darin verborgen liegt? Vielleicht ein Schatz? So würde meine Stiefmutter doch stolz auf mich sein, denn wir könnten uns so viel mehr leisten als nur den lahmenden Esel, der uns noch die Haare vom Kopf frisst aber nun mal das Einzige ist, was wir hatten. Diese Vorstellung beflügelte mich und ich wagte mich hinein. 

Schrecken durchfuhr mich als ein grelles Kichern in den Mauern hallte. „Hat sich jemand hergefunden. Noch so klein und unschuldig.“ Diese Stimme jagte mir einen Schauer über den Rücken. Grüne Augen, in denen die Bosheit nur so glitzerte, schauten mich aus einer dunklen Ecke heraus an. Gierig und wahnsinnig. „Ze...Zei… Zeig dich … was immer du bist.“ gab ich zitternd von mir. Wieder ertönte dieses grauenvolle Kichern als sich eine ausgemergelte Gestalt in einem schwarzen Umhang ins Licht begab und mich zum Keuchen brachte. Helle, fast weiße, faltige Haut. Knochige Hände, die sie sich geradezu voller Vorfreude rieb. Eine Hexe.

„So wunderschönes goldenes Haar. Diese niedliche Schleife schmückte lange genug dein Haar. Endlich soll ich erlöst sein. Mein Grauen sollst nun du erleiden.“ Ich wollte wegrennen, wollte schreien, doch ich stand wie festgefroren mitten in der Ruine und konnte mich kein stück bewegen während sie immer näher auf mich zukam. Ihre knochigen Finger griffen nach mir und riefen Ekel in mir hervor. Grüne Funken erschienen, wo sie mich berührte und ich hörte plötzlich die Raben um mich herum laut krächzen: „Vorbei soll es sein. Der Fluch ist nicht mehr dein.“ Ein Fluch?

Die Hexe kam näher und näher, die Funken wurden heller und heller bis alles so hell erstrahlte, dass ich geblendet die Augen zusammenkniff. Doch das verbarg nicht ihre Stimme vor mir. „3 gute Taten sollen es sein, dann bist du wieder rein. Bis dahin soll dich Bosheit leiten, Zauber dich zu allen Zeiten. Verloren sei all das Gute in dir, gib nun deine Freiheit mir.“ Den letzten Satz schrie die Hexe hinaus und ein Schmerz durchfuhr mich bis in die kleinsten Ecken meines Körpers. Ich schrie und krümmte mich in dem erbarmungslosen Griff der Hexe, doch nichts konnte das verhindern, was nun geschah. Als ich spürte, wie ihre Hände um meine Handgelenke sich lockerten sank ich auf den Boden. Erschöpft, einsam, verlassen – anders. Ich fühlte mich nicht mehr wie das Mädchen, was ich bis vor Kurzem noch gewesen war. 

Ich spürte sie. Heiß, geradezu brennende raste sie durch meine Adern…. Macht. Ein Lachen erklang und es dauerte, bis ich realisierte, dass es aus meinem Mund kam. Hysterisch und gruselig klang es und begleitete mich die nächsten Jahre lang. Vom Fluch und der Bosheit gezeichnet verbarrikadierte ich mich dort, wo ich mich verlor. Die Schlossruine wurde von einer noch düsteren Dunkelheit durchzogen. Kein Zuckerkuchenhaus war mein Zuhause, sondern die dunkle Ruine, um die ich Rosenhecken wachsen ließ, die alles Leben und Gute von mir fernhalten sollte. 

Keines der Tiere, die mich zuvor immer begleiteten und mit denen ich Lieder gesungen habe, wagte sich noch in meine Nähe. Ich ließ dieser bösartigen Macht in mir die Überhand und ließ gemeine Zwerge als meine Helfer rufen, die ich auf ewig verdammte, mir Folge zu leisten. Ich verbrachte Jahr um Jahr in meiner Zuflucht, in meinem Gefängnis, dass ich mir selbst erbaute. Ich sah kein Licht mehr in der Welt und erfreute mich am Leid der Menschen, die ich mittels des verzauberten Bildes, das ich schuf, beobachtete. Es zeigte ein junges, blondes Mädchen, das fröhliche durch den Wald sprang. Doch dieses existierte nicht mehr, sodass mir das Bild nach meinem Zauberspruch, die mir mit dem Fluch ins Blut übergangen sind, all es zeigte, was ich sehen wollte.

Eines Tages beobachtete ich abermals die Menschen und weidete mich selbst an meinem eigenen Leid, das ich bei ihrem Anblick erfuhr. Ich war, wer ich war - die böse Hexe im Dunkel des Waldes, vor dem man sich nun noch mehr fürchtete. Ich dachte, dass sich nie mehr jemand hineinwagen würde. Nicht nach dem sich die Geschichte um das verschwundene Bauernmädchen, das man nie wiedergesehen hatte, verbreitete. Doch dann sah ich ihn. 

Ein Junge, vielleicht so alt wie ich damals, betrat den Wald. Ein merkwürdiges Gefühl kam in mir hoch und wurde von Sekunde zu Sekunde stärker. „Rette ihn.“ flüsterte eine Stimme in meinem Innern. „Verdamme ihn.“ sagte eine andere. Was ist das? Panisch griff ich mir an mein Herz, das angefangen hatte, wie wild zu schlagen. Es brodelte in mir und ich spürte seit Jahren wieder Schmerz. „Geh fort von hier.“ brachte ich unter enormen Kraftaufwand hervor und wusste, dass der Junge mich hören würde. Ich sah sein Zucken, doch er ging weiter. Entschlossenheit stand in seinem Blick. Wellen des Schmerzes fluteten meinen Körper, sodass sich ein Schrei aus meiner Kehle löste. Ich kämpfte mit mir selbst. Ich kämpfte gegen die Bosheit, die die Hexe vor Jahren in mir einpflanzte und die sich über die Zeit hin immer mehr in mich hineinfraß. Doch der Rest an Gutem in mir kochte und wütete und setzte alles, daran nicht auch noch zu verschwinden. 

„Geh, bevor dir großes Leid wiederfährt.“ Ich sah wie der Junge sich die Ohren zuhielt und in den Wald hineinrief: „Ich werde sie finden“. Wovon sprach er? Wer konnte so dumm sein, den gleichen Fehler wie ich zu begehen? 3 gute Taten hätten mich retten können, doch die Bosheit in mir ließ es mich schon sehr früh vergessen … mich vergessen wollen.

Meine Macht entladete sich förmlich und ein schrecklicher Sturm wütete über meiner Ruine. „Kämpfe, Annabell. Kämpfe!“ Annabell? Ein Name, der für mich schon längst in Vergessenheit geraten ist…. Und doch erinnerte ich mich. Ich erinnerte mich an unser armes Häuschen, in dem wir doch irgendwie glücklich waren. An den lahmen Esel, der mir trotzdem immer ein Lächeln ins Gesicht zauberte. An die Tiere, mit denen ich jeden Tag Wald und Wiesen erkundete. 

Und dann fing ich an zu kämpfen. Grüne Blitze schossen um mich herum, als mein Innerstes gegen den Fluch aufbegehrte. Ich schrie, schrie mein Leid hinaus und ich glaubte. Ich glaubte an die Momente, die ich erlebt hatte und ich glaubte an das Gute in mir. Der Junge hatte sich durch den Wald hindurch gekämpft und sah sich den Rosenhecken gegenüber. Auch diese konnten diesen Bengel voller Glaube nicht aufhalten, während ihm die Dornen der Rosen Haut und Kleidung aufrissen. Ich sah in seine Augen und hatte noch nie so viel Glaube und so viel Gutes in einem Menschen vereint gesehen.

Er nahm meine Hand obwohl ich der Schrecken in Person sein musste. Meine verfilzten Haare, die durch die Magie in der Luft, um meinen Kopf peitschten und die zerrissenen Kleider sowie der Hass in jeder Faser meines Körpers hätte jeden abgeschreckt. 

Doch als er mich berührte, gewann das Gute in mir an Kraft. Ich kämpfte und kämpfte während mir Tränen über die Wangen rannen und die Bosheit aus meinem Körper spülten. Ich spürte, dass immer mehr von mir zurückkam, auch wenn ich es mir nicht erklären konnte. Ich sank zu Boden und die Zauberkraft entwich mir, so dachte ich. 

Ich sah den Jungen an. „Was tust du hier?“ Ein Lächeln zierte sein Gesicht und meine Überraschung über das Geschehene wurde nur noch größer. „Meine Mutter erzählte mir die Geschichte von dem verschwundenen Mädchen. Wir Kinder sollen uns vom Wald fernhalten, sonst passieren uns ganz schreckliche Dinge. Uns wurde erzählt, wie das Böse einen anfällt und man verloren ist. Doch weißt du, was ich glaube? So lange man an sich und das Gute in einem selbst glaubt, kann man alles schaffen, findest du nicht? Glaubst du an das Gute in dir?“

„Jetzt tue ich es wieder dank dir.“ Sein Lächeln wurde breiter und steckte mich an. „Ich wollte diese Annabell finden und ihr zeigen, dass es stimmt, was ich glaube.“ Eine tiefe Ruhe breitete sich in mir aus und ich wusste, dass ich mich das erste Mal wieder von Frieden erfüllt fühle. „Du hast sie gefunden und weißt du was? Sie glaubt es auch.“

Er rette mich, indem er mir zeigte, dass Stärke in uns verborgen liegt, die wir nicht mal erahnen. Wir glauben, doch wir glauben viel zu wenig an unsere innere Stärke, die uns alles schaffen lässt, wenn wir es nur wollen. 

Das ist meine Geschichte. Die Geschichte, wie ich zu einer guten Hexe wurde, denn die Magie verließ mich nie gänzlich.

 

 

 

Ann-Sophie Schnitzler

 

 

 

 

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